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Foto des Monats

Foto:
Jahr:2009
Monat:Juli
Titel:Spinne unterwegs
Beschreibung:O.k., sie ist keine Schönheit! Doch die Tapezierspinne Atypus piceus ist eines der wirklich seltenen Tiere Deutschlands, die mit den tropischen Vogelspinnen verwandt ist. Viel kleiner zwar, aber vom Körperbau her sehr ähnlich. Dazu gehören die orthognathen Chelizeren (Kiefer), die parallel nach vorne gestreckt sind und die Klauen, die taschenmesserartig nach unten und hinten eingeklappt werden können. Dieses Merkmal unterscheidet sie von den sonst in Deutschland üblichen labidognathen Spinnen, deren Klauen seitlich nach innen geklappt werden. Auch die Spinnwarzen sind relativ lang und sehr beweglich, wie bei den echten Vogelsspinnen. Und diese Spinnwarzen sind die entscheidenden Werkzeuge der Spinne, denen sie letztlich ihren deutschen Namen verdankt. Sie gräbt nämlich eine mehrere Dezimeter tiefe Röhre in den Boden und kleidet diese mit einem Schlauch aus Spinnseide aus. Dieser Schlauch ragt am Ende mehrere Zentimeter aus dem Eingang und liegt gut getarnt auf dem Boden auf. Beutetiere, die diesen Fangschlauch queren, werden von innen mit den vergleichsweise riesigen "Beißern" erfasst und anschließend im gemütlich tapezierten "Wohnzimmer" verspeist. Faszinierend ist die extrem elastische Spinnseide dieser und anderer Spinnen. Dieses Material ist technisch unerreicht in seinen Eigenschaften: Wesentlich reißfester als Stahl, gleichzeitig erheblich dehnbarer (bis zu ca. 40%) und außerdem biologisch abbaubar. Ein Superwerkstoff, der seine chemischen Komponenten durch ein kompliziertes Drüsensystem im Innern des Spinnenkörpers erhält, aber erst unter Zugabe von Luft im Austrittskanal seine unglaublichen physikalischen Eigenschaften erhält. Ein kleine, aber äußerst komplexe chemische "Fabrik" läuft uns hier also, wie dieses Tapezierspinnen-Männchen auf Partnersuche, über den Weg. Ein Wunderwerk des Schöpfers - auch wenn es manchen etwas hässlich erscheinen mag! Doch Schönheit beschränkt sich ja bekanntlich nicht nur auf äußere Werte.

Foto und Text: Winfried Borlinghaus, DCTB Korntal

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