
![]() Was heißt eigentliche Friede?Warum über Frieden nachdenken?
Alle reden vom Frieden, die Politiker, Angehörige von Bürgerinitiativen, ganze Jugendgruppen, Kirchenführer. "Den Frieden schaffen" lautet die Parole. Sie erwecken den Eindruck, man brauche ihn nur zu wollen, und dann gäbe es ihn schon. Stimmt das? Wollen nicht alle den Frieden? Bringt die Existenz von Friedensbewegungen in Geschichte und Gegenwart nicht die Sehnsucht aller Menschen zum Ausdruck? Gewiß, jedoch: Frieden - was ist darunter zu verstehen?"Friede ist der völkerrechtliche Zustand ungebrochener Rechtsordnung zwischen Staaten, wobei Waffengewalt zur Durchsetzung von Interessen ausgeschaltet ist ..." und "Friede war ursprünglich die rechtliche Ordnung innerhalb einer Gruppe", sagt uns das Lexikon 1.Es geht also immer um mehrere Personen, Gruppen oder Völker, die miteinander leben wollen oder müssen. Je weiter man vom anderen entfernt lebt, desto einfacher ist es, Konflikte zu vermeiden. Denn Berührungspunkte werden leicht zu Reibungsflächen, und aus Reibungen entstehen schnell Reibereien, die die Vorstufe von offenen Konflikten sind. Daher ist es wesentlich leichter, für den Frieden in der Welt zu demonstrieren, als im engsten Umkreis, etwa dem der Familie und des Arbeitsplatzes, Frieden zu praktizieren. Friede in dem Sinne, allen Streit zu vermeiden, ist erst dann möglich, wenn sich alle Beteiligten an vertragliche Abmachungen halten und dabei auf ein Stück persönlicher Freiheit verzichten würden. Ist Frieden nicht doch mehr, als bloß Streit zu vermeiden ?Ja, das ist ohne Frage so, denn wenn z. B. Ehepartner nicht miteinander reden und Eltern für ihre jugendlichen Kinder Luft sind - oder umgekehrt -, sie also in "friedlicher Koexistenz" leben, dann fällt hier weder ein böses Wort, noch steht man in harten Auseinandersetzungen, und trotzdem ist kein Friede da. Jeder der Beteiligten leidet zumindest darunter, daß er alleingelassen bleibt.Auch im Zusammenleben der Völker wird unterschieden zwischen Frieden und Waffenstillstand. Waffenstillstand - mit welchen Waffen auch immer gekämpft wurde - hat stets vorläufigen Charakter. Entweder es kracht in Kürze wieder, oder es kommt zu einem dauerhaften Miteinander. Frieden zielt auf Gemeinsamkeit, Verbundenheit, ja Verbindlichkeit und gegenseitige Anteilnahme. Wer Frieden will, dem geht es nicht nur um Abwehr oder Beendigung von bewaffneten Auseinandersetzungen, sondern um ein Miteinander in möglichst allen Bereichen menschlichen Zusammenlebens, indem man sich versteht und gegenseitig unterstützt. Wer ist mit solch einer Herausforderung angesprochen?Jeder muß solchen Frieden ausleben, weil auch jeder an irgendeiner Stelle auf Mitmenschen angewiesen ist, die Regierungschefs und Politiker ebenso wie die Bürger im Bereich des Staates und der Völker untereinander, die Vorgesetzten ebenso wie die Mitarbeiter, die Ehepartner, Familienglieder und die Nachbarn. Jeder ist in seinem jeweiligen Bereich angesprochen und nach seinem Beitrag zum rechten Frieden gefragt.Was kann ich zum echten Frieden beitragen?Die Antwort darauf hängt davon ab, ob ich nur von menschlichen Friedensüberlegungen ausgehen oder auf das hören will, was Gott über den Frieden sagt. Wer Christ ist, wird seine Fragen an Gott richten und von seinem Wort, der Bibel, die Antwort erwarten. Er fragt zuerst:Was versteht die Bibel unter Frieden ?Der erste Teil der Bibel, das Alte Testament, redet hauptsächlich vom Handeln Gottes in der Geschichte, insbesondere der des kleinen Volkes Israel. Von jeher war für dieses Volk der "Schalom" Gottes (d.i. der Friede, welcher sowohl das äußere Wohlergehen als auch die innere Ruhe der einzelnen meint) lebenswichtig. Dieser "Schalom" ist ganz speziell das Geschenk Gottes an sein Volk 2 und darf somit nicht ohne weiteres auf die Menschen allgemein übertragen werden. Nur wer zu diesem Gottesvolk gehörte, befand sich innerhalb des Schutzraumes, der Umfriedung Gottes 3 . Friede und Gottesfurcht gehörten also zusammen 4 . Von daher ist es nicht möglich, den "Schalom" Gottes rein politisch, sozusagen gottlos, beanspruchen zu wollen.Im zweiten Teil der Bibel, dem Neuen Testament, ist nun die Quelle, aus der alle Menschen Antwort schöpfen können. Das Erstaunlichste ist zunächst, daß hier der Friede nicht nur als eine erstrebenswerte "Sache" gesehen wird, sondern als "Person", und zwar als Person, die im wahrsten Sinne des Wortes "Hand und Fuß" hat, also auch historisch faßbar ist. Gleichzeitig ist diese Person - es handelt sich um Jesus Christus - übergeschichtlich , also für uns heutige Menschen ebenso Wirklichkeit wie für unsere Vorfahren 5 . Der Friede, den Jesus Christus darstellt und vermittelt, ist der Bund, den der heilige Gott mit dem unheiligen Menschen eingegangen ist, und zwar völlig einseitig von Gott als Handelndem 6 . Das Bundeszeichen ist das Kreuz, an dem Jesus Christus starb. Dort wurde Frieden gemacht, ohne daß menschliche Vorleistung nötig oder möglich gewesen wäre 7 . Natürlicherweise ist kein Frieden zwischen Gott und dem einzelnen Menschen vorhanden, weil heilig und unheilig (d.i. sündig, gottlos) nie zusammenpassen 8 . Der Streit zwischen Mensch und Gott reicht von kaltblütiger Gleichgültigkeit gegenüber Gott und seinem Wort bis hin zum militanten Atheismus und ist in jedem Fall Sünde. An Gott liegt es nicht, daß es so aussieht. Jeder einzelne Mensch ist an diesem notvollen Tatbestand selbst schuld 9 . Aber Gott liegt etwas an uns, und deshalb hat er ein Friedensangebot ohnegleichen gemacht: Er spricht den von der Sünde los und befreit ihn zu einem neuen ("ewigen") Leben, der seine verheerende Lage einsieht und zutiefst beschämt, aber dankbar-vertrauend dieses Angebot annimmt 10 . Dabei findet der Tausch statt, daß Jesus die verlorene Position des Sünders einnimmt und der Todeskandidat freigesprochen wird. "So haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus" 11 . Was bewirkt denn der Friede mit Gott in dieser Welt?Wer Frieden mit Gott bekommen hat, wer also in der Verbindung mit ihm lebt, sieht sowohl die Friedenssehnsucht seiner Mitmenschen als auch die biblischen Friedensaussagen anders als vorher. Er erkennt die Radikalität der göttlichen Diagnose über diese Welt: Die Welt liegt im argen 12 . Er weiß zugleich, daß der "Friede auf Erden", der in der Weihnachtsbotschaft verkündet wird, nur in Verbindung mit dem "Ehre sei Gott in der Höhe" verwirklicht werden kann 13 .Es geht Jesus nicht um politischen oder sozialen Frieden 14 , sondern er will Menschen einladen, "Bürger seines Reiches" zu werden, für die dann seine Grundsätze verbindlich sind 15 . Es ist darum nicht möglich, wahllos Bibelzitate für menschliche Friedensparolen zu verwenden. Auch Christen sind mit hineingenommen in Angst, Anstrengungen und Auseinandersetzungen 16 . Jedoch wissen sie, daß allein der wiederkommende Christus endgültige Verhältnisse schaffen wird, in welchen dann sogar die Natur ihren Friedenszustand zurückerhalten wird 17 . Bis dahin gilt es für Christen, sich ganz einzusetzen - zuerst jedoch für die Hauptsache: Menschen zur Umkehr zu Gott und in die Verantwortung vor ihn zu rufen. Auch bringen sie im Gebet alle Probleme vor Gott 18 . So stiften sie als solche, die selbst Frieden haben, wirksam Frieden in dieser Welt. Zum Vergleich die entsprechenden Bibelstellen: 1 Duden-Lexikon, 4. Aufl. 2 Jesaja 54, 10 3 Jesaja 60, 18 4 Psalm 119, 165 5 Epheserbrief 2, 14 6 Apostelgeschichte 10, 36 7 Kolosserbrief 1, 20 8 Jesaja 59, 2 9 Römerbrief 3, 23 10 Johannesevangelium 3, 16 11 Römerbrief 5, 1 12 1. Johannesbrief 5, 19 13 Lukasevangelium 2, 14 14 Johannesevangelium 8, 36 15 Matthäusevangelium 5 - 7 16 Johannesevangelium 16, 33 17 Jesaja 2, 4 und 11, 8 18 1. Timotheusbrief 2, 1 - 6 |
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