
![]() Leseprobe aus Das Fundament 4/2010
Schwierige Bibelverse leicht verständlich erklärtVerstehst du, was du liest?Wenn Sie Bibelleser sind, kennen Sie das Problem, an schwierigen Versen hängen zu bleiben. Entweder machen die Bibelverse keinen Sinn, sind schwer verständlich oder vermeintlich widersprüchlich. In seinem Buch „Verstehst du, was du liest?“ hat Ron Rhodes für jedes Buch der Bibel die schwierigsten Verse und Abschnitte zusammengetragen und erklärt sie einfach, wissenschaftlich fundiert und gut verständlich in kurzen Artikeln. Die ca. 700 Erklärungen sind nach den Büchern der Bibel geordnet, sodass man schnell die entsprechende Bibelstelle findet. Außerdem befindet sich im Anhang ein Stichwortregister. Dr. Ron Rhodes leitet eine apologetische Arbeit in den USA („Reasoning from the Scriptures“ – www-ronrhodes.org. Wir möchten Ihnen sein Buch mit einem Leseauszug näher bringen und zum Kauf empfehlen. 1. Mose 1Sind die Schöpfungstage 24-Stunden-Abschnitte oder werden hier lange Zeiträume beschrieben? Manche sind der Auffassung, dass es sich bei den in 1. Mose 1 geschilderten Schöpfungstagen um lange Zeitabschnitte handelt. So ist zum Beispiel in 1. Mose 2, 4 von einem „Tag“ die Rede, an welchem „Gott, der HERR, Erde und Himmel machte“. In 1. Mose 1 lesen wir aber, dass Himmel und Erde an unterschiedlichen Tagen erschaffen wurden. Dies lässt sich als Indiz dafür werten, dass mit einem „Tag“ auch eine Zeitspanne gemeint sein kann. In Hiob 20, 28 etwa ist von einem „Tag seines [Gottes] Zornes“ die Rede, in Psalm 20, 2 von einem „Tag der Bedrängnis“. Hier ist sicherlich jeweils kein einzelner Tag, sondern ein Zeitraum gemeint. Darüber hinaus sagt Psalm 90, 4 wie auch sinngemäß 2. Petrus 3, 8: „Denn tausend Jahre sind in deinen Augen wie der gestrige Tag, wenn er vergangen ist, und wie eine Wache in der Nacht.“ 24-Stunden-Sonnentage kann es nach Ansicht mancher Bibelausleger zudem auch erst ab dem vierten Schöpfungstag gegeben haben, da die Sonne an den ersten drei Tagen noch nicht erschaffen gewesen ist. Im Gegensatz zu dieser Position gibt es wiederum andere Christen, die substanzielle Argumente dafür liefern, dass die Tage in 1. Mose 1 in der Tat als 24-Stunden-Tage zu verstehen sind: Der Bericht in 1. Mose bezieht sich auf Abend und Morgen, was darauf hindeutet, dass buchstäblich Tage gemeint sind. In 1. Mose 1, 16 heißt es, dass Gott die Sonne und den Mond erschuf, um den Tag beziehungsweise die Nacht zu beherrschen. Das könnte ein Indiz dafür sein, dass es sich hier um wirkliche 24-Stunden-Tage handelte. Auch 2. Mose 20, 11 scheint sich auf 24-Stunden-Sonnentage zu beziehen. Dort wird gesagt:„Denn in sechs Tagen hat der HERR den Himmel und die Erde gemacht, das Meer und alles, was in ihnen ist, und er ruhte am siebten Tag.“ Wenn eine Zahl in Kombination mit dem hebräischen Wort für „Tag“ benutzt wird, bezieht sich das im Alten Testament ausnahmslos auf buchstäbliche 24-Stunden-Tage. In 1. Mose heißt es, dass Gott die Welt in sechs Tagen erschuf, also werden auch hier 24-Stunden-Tage gemeint sein. Wenn der Schöpfungsbericht hätte sagen wollen, dass Gott in langen Zeiträumen geschaffen hat, hätte dafür ein hebräisches Wort zur Verfügung gestanden, das ausgezeichnet passt: olam. Doch dieses Wort wird hier nicht verwendet, sondern der Begriff yom, der sich in Kombination mit einer Zahl immer auf einen 24-Stunden-Tag bezieht. Die Stelle in 2. Petrus 3, 8 meint nicht, dass ein Tag wirklich tausend Jahre andauert. Vielmehr wird hier ausgesagt, dass ein Tag für Gott wie tausend Jahre ist. Gott befindet sich jenseits aller zeitlichen Grenzen. Der Schöpfungsbericht zeigt, dass Adam am sechsten Tag erschaffen wurde, er dann den siebten Tag hindurch lebte und auch an den Tagen, die darauf folgten. Wenn es sich hier um lange Zeitperioden gehandelt hätte, wie können dann diese vorgeblichen Jahrtausende mit der Angabe aus 1. Mose 5, 5 in Einklang gebracht werden, wo gesagt wird, dass Adam im Alter von 930 Jahren starb? Das Argument, dass die ersten drei Tage nicht als wörtliche Tage zu verstehen sind, da die Sonne noch nicht erschaffen gewesen ist, ist nicht überzeugend. Die ersten drei Tage hatten wahrscheinlich dieselbe Dauer wie die letzten vier Tage. Zur Beschreibung werden für alle Tage exakt die gleichen Wörter („Abend“ und „Morgen“) benutzt. Ob nun eine von Gott selbst erschaffene zeitlich befristete Lichtquelle das Licht spendete oder Gott selbst hier als das Licht zu verstehen ist (vergleiche Offenbarung 21, 23; 22, 5), wie manche annehmen, ist an dieser Stelle von sekundärer Bedeutung. Es kann durchaus Tage vor der Erschaffung der Sonne gegeben haben, die auch ohne eine existierende Sonne die gleiche Länge aufwiesen wie heutige Sonnentage. Schließlich muss sich Gott nicht an die uns bekannten Naturgesetze gehalten haben. 2. Mose 1, 20 - 21Wie konnte Gott den Hebammen seine Gunst erweisen, nachdem sie doch so offensichtlich gelogen hatten? Generell verbietet die Bibel zu lügen (vergleiche 2. Mose 20, 16). Lügen wird als Sünde angesehen (vergleiche Psalm 59, 12) und ist Gott ein Gräuel (vergleiche Sprüche 12, 22). Gott lügt nie (vergleiche 4. Mose 23, 19). Gerechte Menschen hassen es, zu lügen (vergleiche Sprüche 13, 5). Andererseits gibt es in der Bibel Stellen, die darauf hinweisen, dass unter gewissen Umständen Lüge nicht verurteilt wird. Die Hebammen befanden sich in einem Dilemma. Sollten sie Gottes höherem Gesetz gehorchen und Leben retten oder der weniger bedeutenden Pflicht, sich den Befehlen des Pharaos zu unterwerfen? Die Hebammen entschieden sich dafür, dem Gesetz Gottes zu folgen. Die Rettung des Lebens Unschuldiger war eine höhere Verpflichtung als die, der (in diesem Fall ägyptischen) Regierung Folge zu leisten und ihr die Wahrheit zu sagen. Gott zog darum die Hebammen nicht zur Rechenschaft. Mehr noch: Der Text sagt uns, dass er die Hebammen segnete, weil sie „Gott fürchteten“ (2. Mose 1, 21). Ebendiese Gottesfurcht führte dazu, dass sie dem höheren Gebot gehorchten, Leben zu retten. 2. Mose 3, 1Hatte Mose mehrere Schwiegerväter? Wir lesen in dieser Bibelstelle, dass der Name von Moses Schwiegervater Jitro war. In 2. Mose 2, 18 wird jedoch der Name Reguel angegeben, und Richter 4, 11 erwähnt einen dritten Namen: Hobab. Wenn wir, wie die meisten, davon ausgehen, dass Mose nicht mehrere Frauen hatte, ist folgende Erklärungsmöglichkeit die wohl wahrscheinlichste: Der Name „Jitro“ könnte eine Art Ehrenname oder Titel gewesen sein, wohingegen der Name „Reguel“ der tatsächliche persönliche Name des Schwiegervaters war (ähnlich wie „Israel“ und „Jakob“ – vergleiche 1. Mose 32, 29). In jedem Fall handelt es sich um dieselbe Person, da in 2. Mose 2 und 3 die Namen wie austauschbar verwendet werden. Bei Hobab kann es sich indessen nicht um dieselbe Person gehandelt haben, da in 4. Mose 10, 29 steht, dass Hobab der Sohn Reguels war. Wahrscheinlich haben wir es hier mit einer anderen Bedeutung des hebräischen Begriffs für „Schwiegervater“ zu tun, der auch mit „Verschwägerter“ oder „Schwager“ übersetzt werden könnte. Hobab wird also der Schwager des Mose gewesen sein. Richter 15, 4Wie war es möglich, dass Simson 300 Füchse fangen konnte? Simson war mit übernatürlicher Kraft ausgestattet, so konnte er Dinge mit Leichtigkeit tun, die für andere unmöglich waren – zum Beispiel 300 Füchse fangen. Als Richter hatte Simson wohl auch Menschen unter sich, die für ihn arbeiteten. Simson könnte diesen Leuten befohlen haben, Füchse einzufangen, um dann so zu tun, als hätte er sie sämtlich alleine gefangen. Jesaja 7, 14Bezieht sich dieser Vers wirklich auf die jungfräuliche Geburt Jesu? Hier heißt es: „Darum wird der Herr selbst euch ein Zeichen geben: Siehe, die Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären und wird seinen Namen Immanuel nennen.“ Manche haben bezweifelt, dass sich dieser Vers auf Jesus Christus bezieht, und die Meinung vertreten, dass die Weissagung in der natürlichen Geburt des „Schnell-Raub Eile-Beute“ (Jesaja 8, 3) erfüllt worden sei. Doch gibt es deutliche Hinweise darauf, dass die Verse auf die jungfräuliche Geburt Jesu deuten. Das hebräische Wort almah kann definitiv mit „Jungfrau“ übersetzt werden (obwohl „junge Frau“ sprachlich auch möglich ist), denn es wird im Alten Testament stets für junge, unverheiratete Mädchen benutzt. Die Person in diesem Vers sollte als Jungfrau ein Kind empfangen und gebären. Das kann sich aber nicht auf die Mutter von „Schnell-Raub Eile-Beute“ beziehen, die bereits verheiratet war und auf natürliche Weise empfangen hat. Auch die Septuaginta (LXX), die griechische Übersetzung des Alten Testaments, die vor Christi Geburt entstanden ist, übersetzte das hebräische Wort almah mit dem unmissverständlichen griechischen Wort parthenos, das sich immer auf eine Jungfrau bezieht. Die Übersetzer der LXX glaubten offenbar, dass dies die Voraussage einer jungfräulichen Geburt des Messias sei. Auch der Text des Neuen Testaments in Matthäus 1, 23 bestätigt den griechischen Wortgebrauch, da hier aus der LXX zitiert ist, um zu zeigen, dass sich in der jungfräulichen Geburt Jesu Jesaja 7, 14 erfüllt. Matthäus 5, 47Darf man nicht schwören? Sowohl im Alten (vergleiche 2. Mose 20, 7; 3. Mose 5, 1; 19, 12; 4. Mose 30, 2 - 15; 5. Mose 23, 21 - 23) als auch im Neuen Testament (vergleiche Apostelgeschichte 2, 30; Hebräer 6, 16 - 18; 7, 20 - 22) werden einige legitime Schwüre erwähnt. Sogar der Apostel Paulus konnte sagen: „Ich rufe Gott zum Zeugen an“ (vergleiche 2. Korinther 1, 23), ebenso: „Was ich euch aber schreibe – siehe, vor Gott! –, ich lüge nicht“ (Galater 1, 20). Also sind Schwüre manchmal durchaus akzeptabel. Was Jesus hier anspricht, ist das inflationäre Anwenden von Schwüren zur Zeit des Neuen Testaments. Ohne Schwur lief beinahe nichts. Wenn einer nicht schwor, war er vielleicht gar nicht vertrauenswürdig. Und offenbar gab es auch Schwurformeln, die mehr galten als andere. Um hier der Entwertung der Worte zu begegnen, sagte Jesus seinen Nachfolgern, dass sie (ob Schwur oder nicht) in ihren Worten nicht doppelzüngig sein sollen, das „Ja“ auch wirklich ein „Ja“, das „Nein“ ein „Nein“ sein soll und dass ein Schwur der lauteren Wahrheit nichts Entscheidendes hinzufügen darf. Lukas 19, 11Hatten die Jünger falsche Erwartungen? In diesem Vers lesen wir, dass die Jünger fälschlich annahmen, dass das Reich Gottes bald erscheinen würde. Man muss einräumen, dass auch die Jünger Jesu nur Menschen waren und als solche gelegentlich falsche Vorstellungen hatten. Aber weder Lukas 19, 11 noch irgendein anderer Bibeltext legen nahe, dass die Jünger oder die Propheten solche falschen Vorstellungen jemals den Menschen als Teil der Offenbarung Gottes weitergegeben haben. Wann immer die Propheten oder Apostel als Sprachrohr Gottes zu den Menschen redeten, haben sie keine irrigen Vorstellungen weitergegeben. Kein echter Prophet Gottes hat je einen Fehler begangen, wenn er im Namen Gottes eine Prophetie hervorbrachte, weil er den Menschen Gottes Worte mitteilte, nicht seine eigenen. Man achte etwa auf folgende Aussagen: „Der Geist des HERRN hat durch mich geredet, und sein Wort war auf meiner Zunge“ (2. Samuel 23, 2). „ [...] der du durch den Heiligen Geist durch den Mund unseres Vaters, deines Knechtes David, gesagt hast“ (Apostelge¬schichte 4, 24 - 25). „Davon reden wir auch, nicht in Worten, gelehrt durch menschliche Weisheit, sondern in Worten, gelehrt durch den Geist, indem wir Geistliches durch Geistliches deuten“ (1. Korinther 2, 13). Wenn wir Lukas 19, 11 auslegen, müssen wir im Hinterkopf behalten, dass Jesus den Jüngern zuvor gesagt hatte, dass das Reich Gottes in gewissem Sinne schon erschienen und durch sein Wirken gegenwärtig war (vergleiche Lukas 11, 20). Jesus und die Jünger befanden sich nahe Jerusalem (der Hauptstadt), also dachten manche, dass die Vollendung des Reiches Gottes nahe bevorstand – ungeachtet dessen, was Jesus über das bevorstehende Kreuz mitgeteilt hatte. Aus diesem Grund – also um mit den falschen Erwartungen der Jünger umzugehen – erzählte ihnen Jesus ein Gleichnis (vergleiche 19, 12 - 27). Er wollte zeigen, dass eine Zeitspanne vergehen würde, bevor das Reich Gottes vollendet sein würde. Jesus benutzte dieses Gleichnis, um ihr Denken zu korrigieren und ihre übereifrigen Hoffnungen zu dämpfen. Johannes 3, 16Ist Jesus als der Sohn Gottes geringer als der Vater? Die Semiten und anderen Orientalen der Antike benutzten den Ausdruck „Sohn von“, um Ähnlichkeit oder Gleichheit des Wesens sowie eine Gleichwertigkeit auszudrücken. Als Jesus behauptete, der Sohn Gottes zu sein, verstanden seine Zeitgenossen dies als die unangemessene Behauptung, dass er selbst Gott sei. Darum bestanden die Juden darauf: Wir haben ein Gesetz, und nach dem Gesetz muss Jesus Christus sterben, weil er sich selbst zu Gottes Sohn gemacht hat (vergleiche Johannes 19, 7). Sie wollten ihn töten, da er in ihren Augen Gotteslästerung begangen hatte (vergleiche 3. Mose 24, 16). Die Bibel berichtet, dass die Sohnschaft Jesu eine ewige Sohnschaft ist. Hebräer 1, 2 sagt, dass Gott die Welt durch seinen Sohn geschaffen hat, was bedeutet, dass der Sohn Gottes schon vor der Schöpfung existierte (vergleiche Kolosser 1, 17; vergleiche mit Versen 13 - 14). Auch wenn Jesus von sich als dem Sohn Gottes spricht (vergleiche Johannes 8, 54 - 56), bestätigt er damit seine Präexistenz vor aller Schöpfung (vergleiche Vers 58). Johannes 4, 23Sollen wir nur den Vater anbeten, Jesus aber nicht? Nein. Nur weil Jesus betonte, dass der Vater angebetet werden sollte, bedeutete das nicht gleichzeitig, dass Jesus nicht angebetet werden sollte. Tatsächlich zeigen die Evangelien, dass er mehrfach als Gott angebetet wurde (griechisch: proskyneo, das gleiche griechische Wort, das auch für die Anbetung des Vaters benutzt wurde). Jesus ließ diese Anbetung auch immer zu, etwa durch Thomas (vergleiche Johannes 20, 28), die Engel (vergleiche Hebräer 1, 6), die Weisen in Bethlehem (vergleiche Matthäus 2, 11), einen Aussätzigen (vergleiche Matthäus 8, 2), einen Synagogenvorsteher (vergleiche Matthäus 9, 18), einen Blinden (vergleiche Johannes 9, 38), eine unbekannte Frau (vergleiche Matthäus 15, 25), Maria Magdalena (vergleiche Matthäus 28, 9) und die Jünger (vergleiche Matthäus 28, 17). Jesus hat seine Nachfolger nie korrigiert oder zurechtgewiesen, wenn sie sich niedergeworfen und ihn angebetet haben. In der Tat hat Jesus eine solche Anbetung als absolut angemessen angesehen. Natürlich würde man von Jesus auch nicht erwarten, dass er Menschen korrigiert, wenn diese ihn anbeten (vergleiche 2. Mose 34, 14) – er war ja wirklich der zum Menschen gewordene Gott, wie die Bibel deutlich sagt. Johannes 5, 28 - 29Spricht Jesus in diesen Versen positiv von Werkgerechtigkeit? Nein, denn zuvor im Johannesevangelium lesen wir: „[... ] so viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus Geblüt, auch nicht aus dem Willen des Fleisches, auch nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind“ (Johannes 1, 12-13). Jesus selbst bestätigte in Johannes 3, 16-18: „Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt hat an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes.“ Jesu Hinweis auf die guten Werke in Johannes 5, 28-29 bezieht sich auf das, was dem rettenden Glauben folgt. Um gerettet zu werden, bedarf man der Gnade Gottes (vergleiche Epheser 2, 8-9), aber echter Glaube kommt in guten Werken zum Ausdruck (vergleiche Vers 10). 1. Korinther 3, 11 - 15Worauf beziehen sich die Baumaterialien Gold, Silber, kostbare Steine, Holz, Heu und Stroh im Hinblick auf das zukünftige Gericht über Christen? Die Materialien, die Paulus hier erwähnt, sind in sich steigerndem Maße brennbar. Heu und Stroh entflammen am leichtesten, gefolgt vom Holz. Kostbare Metalle und Steine können nicht brennen. Einige dieser Materialien sind zum Bauen nützlich, andere nicht. Wenn man ein Haus aus Heu oder Stroh errichtet, wird es sicherlich nicht lange halten. Auch kann es rasch bis auf den Grund verbrennen. Doch ein Haus, das mit soliden Materialien wie etwa Steinen und Metallen gebaut ist, wird solide stehen und für lange Zeit halten. Was bedeuten diese Baumaterialien nun? Vielleicht stehen Gold, Silber und kostbare Steine für Motive, die Jesus Christus Ehre machen, für Gehorsam Gott gegenüber und für Integrität. Demgegenüber sind Holz, Heu und Stroh vergängliche Stoffe, die sich möglicherweise auf fleischliche Haltungen, sündhafte Motive, hochmütige Handlungen und selbstsüchtigen Ehrgeiz beziehen. Gott wird unsere Werke prüfen, und zwar mit dem Feuer seiner Heiligkeit. Wenn unsere Werke mit guten Materialien erbaut wurden (wie kostbare Metalle oder Steine), werden sie bestehen bleiben. Doch wenn unsere Werke aus weniger wertvollem Material bestehen (Holz, Stroh oder Heu), werden sie verbrennen. Vielleicht will dieser Abschnitt zum Ausdruck bringen, dass die Werke, die getan werden, um Gott zu verherrlichen, bestehen bleiben werden. Die Werke aber, die nur vollbracht werden, um den Menschen selbst zu verherrlichen, denen – biblisch gesprochen – fleischliche Motive zugrunde liegen, werden verbrannt werden. 1. Korinther 5, 5Was bedeutet es, einen Menschen dem Satan zu übergeben? Viele Bibelausleger beziehen diese Stelle darauf, dass ein Mensch aus der Gemeinde ausgeschlossen wird – und in die Welt hineingegeben wird, in der Satan regiert (vergleiche Johannes 14, 30). Damit wird bezweckt, dass er sich seiner Sünde bewusst wird und (hoffentlich) schließlich seine Schuld bedauert und umkehrt. Dann kann er auch wieder in die Gemeinde eingegliedert werden. Andere Ausleger beziehen dies ausdrücklicher darauf, dass die Person wirklich dem Satan übergeben wird, sodass Satan ihm körperliches Leiden zufügen kann. Manche gehen sogar davon aus, dass Satan ihn dann tötet – der Leib wäre tot, aber der Geist gerettet. Jedoch werden die letzten beiden Auslegungsvarianten deutlich seltener vertreten. 1. Korinther 5, 9Wenn Paulus einen Brief schrieb, der doch auch inspiriert gewesen sein müsste, wie kann Gott es dann zulassen, dass dieser verloren ging? Paulus bezieht sich in diesem Vers allem Anschein nach auf einen anderen Brief, den er früher geschrieben hatte. Moderne Bibelübersetzungen wie die Neues Leben Bibel sprechen hier häufig auch von „einem früheren Brief“. Hinsichtlich dieses verlorenen Paulusbriefs gibt es eine ganze Reihe von Erklärungsmöglichkeiten. Zum einen sind nicht alle apostolischen Briefe im Kanon der Bibel enthalten – sie waren von Gott her womöglich auch gar nicht dafür bestimmt. Lukas etwa berichtet auch von vielen anderen Evangelien, die damals in Umlauf waren (vergleiche Lukas 1, 1). Johannes sagt, dass Jesus viel mehr getan hat, als in seinem Evangelium aufgezeichnet wurde (vergleiche Johannes 20, 30; 21, 25). Der verloren gegangene Korintherbrief sollte wohl nicht in gleicher Weise zukünftigen Generationen zur Verfügung stehen wie die anderen 27 Bücher des Neuen Testaments (und die 39 Bücher des Alten Testaments). Andere meinen, dass der Brief, auf den sich 1. Korinther 5, 9 bezieht, gar nicht verloren gegangen, sondern Teil eines anderen biblischen Buchs geworden sei. Zum Beispiel könnte es ein Teil des 2. Korintherbriefs sein, und zwar die Kapitel 10 - 13. Manche vermuten, dass dieser Teil erst später mit den Kapiteln 1 - 9 verbunden worden ist. Diese Auffassung wird gestützt durch die Tatsache, dass die Kapitel 1 - 9 im 2. Korintherbrief in einem entschieden anderen Ton verfasst worden sind als die Kapitel 10 -13. Dies könnte darauf hindeuten, dass sie bei einer anderen Gelegenheit geschrieben wurden. Auch wird vermerkt, dass Paulus in 2. Korinther 10, 10 von „Briefen“ (Plural) spricht, die er geschrieben hat. Wieder andere vertreten demgegenüber die These, dass sich Paulus in 1. Korinther 5, 9 auf den 1. Korintherbrief selbst bezieht – also auf den Brief, den er gerade schreibt. Zur Bekräftigung schlagen die Vertreter dieser Hypothese vor, dass sich die griechische Zeitform des Aorist („Ich habe geschrieben“) durchaus auf denselben 1. Korintherbrief beziehen kann. Es wäre ein Beispiel für den sogenannten „Briefaorist“, der sich auf den Brief bezieht, in welchem er verwendet wird. Darüber hinaus beinhaltet der Aorist häufig ein Moment des deutlichen Hinweises. In diesem Fall würde Paulus Folgendes zum Ausdruck bringen: „Ich schreibe euch nun deutlich [... ]. “ Dies würde sicherlich zum Kontext dieses Abschnitts passen, in welchem er die Gemeinde drängt, unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen, um widerspenstige Gemeindeglieder auszuschließen. Schließlich ist in einem anderen Zusammenhang noch von einem möglichen weiteren Paulusbrief an die Korinther zu sprechen, der womöglich verloren gegangen ist und der gerne als „Tränenbrief“ bezeichnet wird: ein Brief, von dem angenommen wird, er sei zeitlich zwischen dem 1. und 2. Korintherbrief anzusiedeln (vergleiche 2. Korinther 2, 3. 4. 9; 7, 8, die Anspielungen auf diesen „Tränenbrief“ sein könnten). Philipper 2, 10 - 11Sagt Paulus hier, dass jeder am Ende gerettet werden wird? Nein. Die gesamte Bibel sagt zwar klar, dass alle Ungläubigen schließlich bekennen werden, dass Jesus Christus der Herr ist. Das bedeutet aber weder hier noch an anderen Stellen, dass sie deshalb gerettet wären. Zunächst sagt dieser Text nur, dass Ungläubige bekennen werden, dass Jesus Herr ist. Es ist aber nichts davon gesagt, ob sie auch an ihn glauben, was aber für das Heil notwendig ist (vergleiche Apostelgeschichte 16, 31). Zum Zweiten glauben sogar Dämonen, dass Jesus der Herr ist (Jakobus 2, 19), aber sie sind deswegen noch nicht gerettet. Es rettet niemanden zu glauben, also für wahr zu halten, dass Jesus Herr ist. Es rettet allein, Christus zu vertrauen (vergleiche Jakobus 2, 21 - 26). Drittens zeigen zahlreiche Abschnitte der Bibel, dass viele ewig verloren gehen werden, so etwa der Teufel und seine Engel (vergleiche Matthäus 25, 41), das „Tier“ und der falsche Prophet (aus Offenbarung 19, 20), Judas (vergleiche Johannes 17, 12), eine große Menge von Menschen aus allen Nationen, die nicht gerettet werden (vergleiche Matthäus 25, 32. 41), und alle, deren Namen nicht im Buch des Lebens aufgeschrieben sind (vergleiche Offenbarung 20, 14). Philipper 2, 25 - 30Waren die Apostel nicht in der Lage, Mitchristen zu heilen? Warum konnte Paulus seinen Mitstreiter Epaphroditus nicht heilen? Man muss dazu bedenken, dass Heilungswunder hin und wieder stattfanden, aber dass dies nicht täglich vorkam, auch unter den Aposteln nicht. Heilungswunder sind Zeichenhandlungen, die auf die Gegenwart des Reiches Gottes hinweisen. Sie sind aber keine Werkzeuge, die wir Christen als ständig funktionierendes Mittel einsetzen könnten. Auch die Apostel konnten dies nicht. Paulus konnte den Timotheus nicht von seinen Magenproblemen befreien (vergleiche 1. Timotheus 5, 23), und seinen „Dorn im Fleisch“ aus 2. Korinther 12, 7 - 9 (wenn es denn wirklich eine Erkrankung war) konnte offensichtlich weder er selbst heilen noch ein Mitapostel oder ein anderer Christ. Möglicherweise kamen auch gegen Ende der Zeit, über die die Apostelgeschichte und die Briefe berichten, weniger Wunder vor, und Gott hat das Geschenk besonderer Heilungswunder, wenn auch nicht auf die erste Generation der Christen beschränkt, so aber den Menschen davon später doch deutlich weniger zukommen lassen. Hebräer 4, 15Hätte Jesus, als er versucht wurde, auch sündigen können? Durch seine Menschwerdung nahm Jesus als ewiger Gott die Natur eines Menschen an. In dieser seiner Menschlichkeit war er Versuchungen, Qualen, Schwachheiten, Schmerzen, Sorgen und Begrenzungen unterworfen. Aber kraft der Tatsache, dass er auch voll und ganz Gott war, hatte die Versuchung keine Chance auf Erfolg. Hebräer 5, 8Wenn Jesus wirklich Gott war, warum musste er dann erst Gehorsam lernen? Vor seiner Menschwerdung hatte Jesus, die zweite Person der Dreieinigkeit, nur eine göttliche Natur. Doch als er auf die Erde kam, nahm er auch eine menschliche Natur an und musste daher Gehorsam lernen. Manche sind der Meinung, dass Jesus als allwissender Gott eigentlich alles über Gehorsam wusste – mehr als jeder andere. Aber erst als er Mensch wurde, machte er aus menschlicher Perspektive auch die Erfahrung, gehorsam zu sein. Hebräer 7, 25Deutet die Tatsache, dass Jesus zum Vater betete, darauf hin, dass er nicht Gott war? Nein; in der Menschwerdung nahm Jesus als ewiger Gott eine menschliche Natur an. In dieser Menschlichkeit sprach Jesus mit dem Vater. Er kam als Mensch, und eine angemessene Pflicht des Menschen ist es, zu Gott zu beten und ihn zu verehren. Für Jesus war dies also mehr als angemessen. Er sprach dabei als Mensch, als Jude und als unser Hoher Priester („in allem den Brüdern gleich“ – Hebräer 2, 17) zum Vater. Aber darum war er nicht weniger Gott. 1. Johannes 3, 9Lehrt dieser Vers sündlose Perfektion? Dieser Vers sagt: „Jeder, der aus Gott geboren ist, tut nicht Sünde, denn sein (Gottes) Same bleibt in ihm; und er kann nicht sündigen, weil er aus Gott geboren ist.“ Indes hat Johannes in demselben Brief zuvor festgestellt, dass es Unsinn ist, zu leugnen, dass wir als Christen sündig sein können (vergleiche 1. Johannes 1, 8). Daher ruft uns Johannes dazu auf, Gott unsere Sünden zu bekennen (vergleiche 1. Jo¬hannes 1, 9). Wie auch immer man 1. Johannes 3, 9 versteht, es kann nicht darauf hinauslaufen, dass Christen sündlose Perfektion erreichen könnten. Der Apostel Paulus, als erlöster Christ, war sich darüber im Klaren, dass die Sünde auch auf sein Leben eine verheerende Wirkung haben konnte. Und wenn Paulus nicht perfekt war, wer würde dann behaupten können, das zu erreichen, was Paulus nicht geschafft hat? Christen haben für 1. Johannes 3, 9 normalerweise zwei Auslegungsmöglichkeiten gefunden. Die einen glauben, dass aufgrund der Benutzung der Präsensform Johannes in diesem Vers sagen will, dass Christen nicht mehr gewohnheitsmäßig sündigen. So verstanden, werden Christen nicht mehr von immer wiederkehrender Sünde beherrscht; Sünde wird bei ihnen kein konti-nuierliches Lebensmuster sein. Andere beziehen diese Verse auf die neue Natur der Christen. In Vers 5 wird gesagt, dass in Christus keine Sünde ist. Dann heißt es in Vers 6, dass die, die in ihm bleiben, nicht sündigen. Wenn wir schließlich zu Vers 9 weitergehen, finden wir eine wichtige Aussage in Bezug auf unsere neue Natur als Christen. Die neue Schöpfung in uns (die wie Christus rein und heilig ist) sündigt nicht. Insofern der Gläubige in seiner täglichen Erfahrung die neue Natur zum Ausdruck bringt, wird er also nicht sündigen. Wenn er es doch tut, handelt er gegen seine neue Natur. Diese Auffassung geht davon aus, dass 1. Johannes 3, 9 ein Ruf zur Heiligung ist – ein Appell, unserer neuen Natur zu gestatten, unser tägliches Leben zu beherrschen, sodass es geheiligt wird. Offenbarung 2, 1Wer ist hier und in den folgenden Sendschreiben mit den „Engeln der Gemeinde“ gemeint? Die sieben Sendschreiben an die hier genannten Gemeinden sind Briefe, in welchen konkrete irdische Gemeinden in Kleinasien von Jesus gelobt oder getadelt werden. Das griechische Wort für Engel (angelos) kann sowohl „Engel“ als auch „Bote“ heißen, von daher bieten sich zwei grundsätzliche Auslegungsmöglichkeiten an: Es könnte sich um einen Menschen handeln, der als „Bote“ bezeichnet wird und eine Art Überbringer der Nachricht ist. Außerdem wurden damals auch Vorbeter in der Synagoge „Boten“ genannt. Analog könnten also hier etwa Gemeindeleiter angesprochen sein. Der überwiegende Teil der Ausleger schließt sich dieser Meinung an. Es könnte sich aber auch in der Tat um himmlische Engel handeln. Dafür spricht, dass in der gesamten Offenbarung des Johannes und an den meisten Stellen des Neuen Testaments „angelos“ tatsächlich mit „Engel“ übersetzt wird. Es wäre allerdings die einzige Stelle, in der davon berichtet wird, dass Engel speziell abgegrenzte Funktionen für einzelne Gemeinden haben. Offenbarung 21Was ist das neue Jerusalem? Die genaueste Schilderung der himmlischen Stadt, des neuen Jerusalem, findet sich in der Bibel in Offenbarung 21. Sie ist ungefähr 2400 Kilometer lang, breit und hoch. Die ewige Stadt ist so riesig, dass sie von der Nordgrenze Deutschlands bis nach Griechenland reichen würde, und dies in räumlicher Ausdehnung, also in Länge, Breite und Höhe. Ihre Höhe macht etwa ein Zwanzigstel des Weges zum Mond aus. Die ewige Stadt ist entweder würfel- oder pyramidenförmig. Vielleicht ist eine Pyramide wahrscheinlicher, da dies erklären würde, wie der Fluss mit dem Wasser des Lebens an ihren Seiten herunterfließen kann, wie es in Offenbarung 22, 1 - 2 dargestellt wird. Dieser Fluss steht symbolisch für das überfließende Leben, das die kennzeichnen wird, die in der ewigen Stadt leben. Der Strom scheint den ständigen Fluss der geistlichen Segnungen auf die Erlösten aller Zeitalter zu versinnbildlichen, die sich nun im Glanz des ewigen Lebens sonnen. Quelle: Ron Rhodes: Verstehst du, was du liest? © 2009 SCM R. Brockhaus im SCM-Verlag GmbH & Co. KG, Witten; 364 Seiten, € 19,95 Das Buch können Sie über unsere Geschäftsstelle bestellen: DCTB, Postfach 11 22, 70807 Korntal-Münchingen Telefon 0711/8380828 oder info@dctb.de. |
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