
![]() Leseprobe aus Das Fundament 3/2010
Krisenzeiten sind EntscheidungszeitenArmin Bachor, Korntal, DCTB-Studentenreferent Die schönen alten Zeiten. Oft verklären wir sie als „Goldene Zeiten“. Wir erinnern uns an sie als schöne Tage, in denen wir in guten Verhältnissen gelebt haben und alles glatt lief. Wenn wir daran denken, empfinden wir Glück und Zufriedenheit. Diese Erinnerung an früher vermag uns hier und da Kraft zu geben für unsere alltäglichen Herausforderungen in der Gegenwart. In der Weltgeschichte gab es auch solche „Goldenen Zeiten“. Wir denken an den Salomonischen Frieden, an die Pax Romana oder, was für viele von uns greifbarer ist, die wirtschaftliche Boomzeit in Deutschland ab etwa 1960. Wir vergessen schnell, dass es auch in diesen „goldenen“ Tagen Probleme gab. Aber das zu bedenken wiederum hilft uns, mit unserem Leben heute ein wenig besser klarzukommen. Was wir oft nicht beachten, ist, dass problemlose Zeiten nicht immer nur goldene Zeiten sind! Ein wehmütiger und bisweilen auch mutmachender Rückblick verziert die Vergangenheit immer mit Rosen. Oft vergessen wir aber, dass Rosen immer auch ihre Dornen haben. Heute plagen uns die verschiedensten Krisen: die Finanz- und Wirtschaftskrise, die bereits ganze Staaten in die Knie zwingt, die Weltklimakrise oder die menschlichen Tragödien, die verheerende Naturkatastrophen mit sich bringen. Wie gelähmt sehen wir den Entwicklungen zu. In den meisten Fällen können wir nur bange abwarten, wie sich die Dinge entwickeln. Uns bleiben die Hände gebunden, aktiv einzugreifen. Für manche unter uns hat sich die gegenwärtige Wirtschaftskrise zu einer handfesten persönlichen Krise weiterentwickelt. Spätestens, wenn unser Arbeitsplatz wegfällt, wird uns bewusst, dass der bedrohliche Tsunami auch uns erfasst hat. Auch wenn gegenwärtige Krisenzeiten dazu beitragen, wehmütig in die schöne Vergangenheit zurückzublicken und Klagelieder über die gegenwärtige Situation anzustimmen: Krisenzeiten sind immer Entscheidungszeiten. In der Sprache des modernen Managements würde eine Krise zu folgenden Überlegungen führen. Notwendige – und auch oftmals notwendende (!) - Entscheidungen werden in aller Regel auf der Grundlage von drei Faktoren getroffen: vergangene Erfahrungen, die gegenwärtige Lage und im Hinblick auf den gestellten Auftrag. Entscheidend ist dann das Ergebnis, das sehr häufig Vision genannt wird und bedeutet, dass man positiv nach vorne in die Zukunft blicken, planen und schließlich auch gehen will. BlickwechselSehen wir unser Leben heute aus der Perspektive Gottes an, dann schlage ich einen anderen Weg vor, um aus einer Krisenzeit eine gute Entscheidungszeit werden zu lassen. Nicht zuallererst nach vorne sollten wir blicken, visionär, getrieben von einer guten, vielleicht oftmals zu viel versprechenden Idee. Als Christen sollten wir vor allem nach oben blicken! In den Klageliedern Jeremias 5, 19 lesen wir: „ Aber du, HERR, der du ewiglich bleibest und dein Thron von Geschlecht zu Geschlecht, warum willst du uns so ganz vergessen und uns lebenslang so ganz verlassen? Bringe uns, HERR, zu dir zurück, dass wir wieder heimkommen; erneuere unsre Tage wie vor alters! Hast du uns denn ganz verworfen, und bist du allzu sehr über uns erzürnt?“ Krisenzeiten sind EntscheidungszeitenDabei geht es zunächst weniger darum, die Krise materiell oder finanziell zu überwinden, sondern es geht um eine persönliche neue Ausrichtung auf Gott selber. Die Konstante in der Krise ist der ewige Herr selber (Klagelieder 5, 19-20) In diesem kurzen Abschnitt ist der Herr derjenige, um den sich alles dreht. Er ist der Ewige. Er war schon da, bevor wir geboren wurden. Er ist immer gegenwärtig und wird auch die Geschicke dieser Welt und meines Lebens lenken, wenn ich nicht mehr auf dieser Erde lebe. Er ist konstant, beständig und gleichbleibend. Er hat den kompletten Überblick. Er überblickt und lenkt die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. Und nicht wenige können erzählen: Der Herr war schon da, bevor mich eine Krise überrollt hatte. Der Herr führte mich mitten durch die Krise, auch wenn wir klagten. So wird der Herr auch in der Zukunft bei uns sein, wenn wir nur bei ihm bleiben. Den Blickkontakt zu ihm sollten wir halten. Nach oben schauen. Paulus beschreibt diese Haltung als unbedingte Voraussetzung für ein gelingendes Zusammenleben von Menschen: „Seid ihr nun mit Christus auferstanden, so sucht, was droben ist, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist. Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott. Wenn aber Christus, euer Leben, sich offenbaren wird, dann werdet ihr auch offenbar werden mit ihm in Herrlichkeit. So tötet nun die Glieder, die auf Erden sind, Unzucht, Unreinheit, schändliche Leidenschaft, böse Begierde und die Habsucht, die Götzendienst ist. Um solcher Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Ungehorsams. In dem allen seid auch ihr einst gewandelt, als ihr noch darin lebtet. Nun aber legt alles ab von euch: Zorn, Grimm, Bosheit, Lästerung, schandbare Worte aus eurem Munde; belügt einander nicht; denn ihr habt den alten Menschen mit seinen Werken ausgezogen und den neuen angezogen, der erneuert wird zur Erkenntnis nach dem Ebenbild dessen, der ihn geschaffen hat… So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld; und ertrage einer den andern und vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den andern; wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit. Und der Friede Christi, zu dem ihr auch berufen seid in einem Leibe, regiere in euren Herzen; und seid dankbar“ (Kolosser 3, 1 - 15). Wieviel Streit und Probleme entstehen doch, wenn wir unseren Blick nicht nach oben, auf Christus, halten? Wir verstricken uns untereinander ganz schnell in komplizierte und ausweglose Situationen, die uns das Leben schwer machen. Die meisten Probleme sind doch hausgemacht. Die Anklage: „Warum willst du uns so ganz vergessen und uns lebenslang so ganz verlassen?“ entpuppt sich als heuchlerische Fehleinschätzung der eigenen Lage. Die konsequente Entscheidung in der Krise lautet: Umkehr zum Herrn (Klagelieder 5, 21). Wir können uns an runde Tische setzen, Visionen entwerfen und Leitlinien verabschieden. Das ist menschenmöglich und wird uns helfen, eine Krise durchzustehen. Allerdings: Umkehren zum Herrn, einen inneren Perspektivenwechsel, den schafft bei uns nur der Herr selber. So bekennt Jeremia: „Bringe uns, HERR, zu dir zurück, dass wir wieder heimkommen.“ Bringe uns wieder zurück zu dir! Ein schöneres Gebet kann es für die Ohren Gottes kaum geben. Genau das will er tun, weil wir es nicht können. Er möchte unsere vertrauensvolle Beziehung zu ihm erneuern. Das ist im biblischen Sinn Umkehr. Umkehren bedeutet, dass wir vor Gott, voreinander authentisch werden, echt werden. Dass wir eigenwillige Entscheidungen, unabsichtliche oder absichtliche Verletzungen anderer beim Namen nennen, sie aber auch von anderen uns nennen lassen. Dann ist die Vergebung und Versöhnung nicht mehr weit: „Vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den andern; wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!“ Der Herr erneuert keine Institutionen, er erneuert immer nur Menschen. Er möchte uns selber erneuern, indem er uns neu ausrichtet auf seine unaufgebbare Liebe zu uns und auf unsere unverzichtbare Liebe zum Nächsten. Wenn der Herr uns zu sich selber zurückführt, dann können aus Krisenzeiten „Goldene Zeiten“ werden. Wie schnell kommen wir an unser Ende, wenn wir nach intelligenten Lösungen für Krisen suchen. Dann ist mehr Weisheit als Wissen gefragt. Christen können auf ein Wissen zurückgreifen, dass in Gott seinen Ursprung hat und immer die bestmögliche Lösung für ein Problem ist. Gottes Verstand ist unausforschlich. „Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem HERRN verborgen, und mein Recht geht vor meinem Gott vorüber«? Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. Männer werden müde und matt, und Jünglinge straucheln und fallen; aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden“ (Jesaja 40, 27-31). Er kommt nie ans Ende seines Verstandes. Sein an uns geoffenbartes Wort, die Bibel, enthält nachlesbare und anwendbare Weisheit in Hülle und Fülle. In der Stille vor ihm dürfen wir seinen Plänen folgen. Und in den „goldenen“ Zeiten können wir dann wieder singen: „Lobe den HERRN, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen! Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat: der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit, der deinen Mund fröhlich macht, und du wieder jung wirst wie ein Adler“ (Psalm 103, 1 - 5). |
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