Medien-Shop / Downloads
Leseprobe aus Das Fundament 2/2010

Streiflichter von der DCTB-Hauptkonferenz 2009

Der neue Atheismus



Winfried Borlinghaus, DCTB-Studentenreferent

Auf unserer Hauptkonferenz 2009 in Rehe zeigten die Gesprächsgruppe „Neuer Atheismus“ und der Austausch beim Studenten-Chat inhaltlich weitgehend übereinstimmende Ergebnisse. So konnte eine wichtige Einschätzung der Lage vorgenommen werden. Es wurden einleitend verschiedene Erfahrungen mit dem Atheismus in der Vergangenheit (zum Beispiel zu DDR-Zeiten, im Religionsunterricht) und aktuelle Ereignisse miteinander verglichen. Die heutige Situation darf nicht nur negativ gedeutet werden, sondern kann als Chance zum Gespräch über den Glauben angesehen werden! Denn Atheisten sind nicht immer aus tiefster Überzeugung Feinde des christlichen Glaubens, sondern häufig nur traditionell atheistisch, ohne dass sie sich intensivere Gedanken dazu gemacht haben. Andere dagegen wurden atheistisch, weil sie persönlich negative Erfahrungen mit der Institution Kirche oder mit einzelnen Christen gemacht haben. Andere wollen es nicht zulassen, dass Gott ihr Leben in Frage stellt, und lehnen deshalb die biblische Botschaft ab.



Ethische Maßstäbe


Politisch war und ist der Atheismus attraktiv, weil er sich für unabhängig von Gott erklärt. Dies stützt das Verständnis von der Autonomie des Menschen, der sich vor keiner höheren Autorität verantworten will. Ein Atheist setzt ethische Maßstäbe selbst und sieht im günstigsten Fall seine Verantwortung gegenüber seinen Mitmenschen – dies tut er jedoch sehr subjektiv. Im Gegensatz zur christlichen Überzeugung kann ein Atheist problemlos seine Maßstäbe anpassen und verändern, wenn die Situation dies aus seiner Sicht erfordert. Diese Tatsache besitzt nicht nur in atheistisch-antichristlichen Regimes der Vergangenheit und Gegenwart politische Brisanz, sondern inzwischen auch in einer multikulturellen und fortschrittsorientierten westlichen Gesellschaft mit immerhin christlichen Wurzeln.

Eine EU-Verlautbarung sieht derzeit im christlichen Kreationismus Demokratiefeindlichkeit oder gar eine Bedrohung der Menschenrechte. Die Schärfe, mit der zum Beispiel bildungspolitisch gegen den Schöpfungsglauben vorgegangen wird, ist verständlicher, wenn man sie im Zusammenhang mit ethischen und wissenschaftlichen Fragestellungen sieht. Hier gelten überzeugte Christen als „Fortschrittsbremse“. Embryonenforschung, vorgeburtliche Diagnostik mit dem Ziel der Reduzierung von Behinderungen – notfalls per Abtreibung, Vermeidung von Langzeitpflegefällen speziell bei alten Menschen, sind Entwicklungen, die von Christen nicht kritiklos hingenommen werden können.



Begegnung im Alltag


Da in diesen Fragen eine christlich-aggressive Gegenreaktion nicht die Lösung sein kann, war ein wichtiger Aspekt des Gesprächs der richtige Umgang mit dem „neuen Atheismus“ und seinen Vertretern. Wie reagieren wir zum Beispiel auf das Buch „Der Gotteswahn“ von Richard Dawkins, die „Buskampagne“ oder die „Kreationistenhetze“ der Medien? Wie gehen wir mit einer aggressiven Protestszene während des Christivals oder während des christlichen Psychologenkongresses in Marburg um? Diese jüngeren Vorfälle wurden beispielhaft für die immer offenkundigere antichristliche Stimmung in unserem Land angesprochen. An den Hochschulen werden in der Folge dieser Stimmung Genehmigungen für unseren Büchertisch häufiger nicht mehr erteilt und christliche Initiativen werden „ausgebremst“. Das übliche Argument lautet, man müsse sonst auch allen anderen religiösen Gruppen, speziell radikal islamistischen, den Zugang gewähren.

Angesichts dieser Problematik wurde überlegt, wie wir dieser Entwicklung praktisch, aber auch bewusst christlich entgegentreten können.



Folgende Überlegungen wurden angeführt:


1) Ein generelles Verbot der Präsentation von Glaubensinhalten an Hochschulen ist kontraproduktiv. Der Stil einer Veranstaltung spiegelt die eigene Überzeugung wider und ist deshalb bei christlichen Veranstaltungen positiv einladend und grundsätzlich gesprächsfördernd. Hier wird leider von manchen Hochschulverwaltungen das Kind mit dem Bade ausgeschüttet, indem generelle Verbote erlassen werden. Studierenden wird somit die Chance zur Meinungsbildung in der Auseinandersetzung mit Andersdenkenden genommen und das Hochschulstudium ausschließlich auf den Erwerb von Fachkompetenz beschränkt. Meinungsvielfalt und Meinungsbildung leiden darunter. Bei Verboten christlicher Initiativen sollte mutig auf diese ungute Entwicklung hingewiesen werden.

2) Da überall Sozialkompetenz, Mitmenschlichkeit und freiwilliges Engagement gefordert wird, sollte man gezielt den christlichen Glauben als unterstützendes Element in unserer Gesellschaft ins Gespräch bringen. Welche fördernde Funktion für soziales und seelsorgerliches Engagement bieten im Vergleich Atheismus, Materialismus, Autonomen-Bewegungen, radikale Muslime und so weiter?

3) In der Auseinandersetzung mit Vertretern des Atheismus sollte man einen höflichen, sachlichen Stil wahren, der trotzdem die eigene Überzeugung deutlich erkennen lässt.

4) Man sollte sich, sofern Potential vorhanden, als überzeugter Christ hochschulpolitisch zum Beispiel im AStA einbringen und bereits dort Vorurteile abbauen helfen. Gleiches gilt zum Beispiel für Presse und Lokalpolitik.

5) Die ernsthafte Auseinandersetzung mit sachlichen Anfragen an unseren Glauben ist Ausdruck der Achtung des andern und deshalb auch entscheidend für die Begegnung mit Atheisten.

6) Geistlich gesehen sind die entscheidenden Faktoren im Umgang mit Atheisten: Liebe zu Gott, untereinander und daraus resultierende praktische Nächstenliebe selbst dem aggressiven Kritiker gegenüber, Vertrauen in Gottes wirkenden Geist und sein Wort.

Deutscher Christlicher
Techniker-Bund e.V.
Postfach 11 22
70807 Korntal-Münchingen
Tel. 07 11 / 8 38 08 28
Fax 07 11 / 8 38 08 29
E-Mail: info@dctb.de