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Leseprobe aus Das Fundament 2/2007

Der Auftrag der Propheten



Prof. Dr. Helmuth Pehlke lehrt Altes Testament am Southwestern Baptist The-ological Seminary in Fort Worth/Texas. Im Folgenden lesen Sie die Zusam-menfassung eines Vortrages, den er auf der Regionaltagung in Lachen im Herbst 2006 hielt.


Ist Prophetie Zukunftsdeutung?



Eine häufige Annahme ist, dass der Auftrag und die Botschaft der Propheten sich hauptsächlich auf die Vorhersage der Zukunft beschränkt. Aber es lässt sich feststellen, dass nur 2% dessen, was in den Propheten steht, vom Kommen des Messias handelt. 5% der Texte reden von zukünftigen Ereignissen, die bisher noch nicht eingetroffen sind, und 8% beinhalten zukünfigte Botschaften an ihre Zeitgenossen, die aber bereits eingetroffen sind. Das meiste, was die Propheten sagen, hat demnach mit der Zukunft direkt nichts zu tun, sondern mit der Gegenwart, in der sie lebten.
Das Wort "Prophet" bedeutet im Griechischen: "für jemanden reden", "für jemanden etwas sagen". Jeremia 1,7: "Der HERR sprach aber zu mir: Sage nicht: »Ich bin zu jung«, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete, du sollst sagen, was ich dir sage."
Das hebräische Wort für Prophet ist "nabi" und bedeutet: gerufen, berufen sein. Es gab also kein Erbrecht für die Propheten. Das Amt konnte nicht durch politische Anordnung vergeben werden. Gott rief den Propheten und er rief den, den er wollte.


Ursprung der Propheten



Um die Botschaft der Propheten der Bibel richtig zu verstehen, müssen wir ihren Ursprung verstehen. Dieser ist nicht in Ägypten zu suchen. Es gab dort auch Propheten, aber sie waren mit Wahrsagen und Traumdeutung beschäftigt. Ihr Ursprung war auch nicht im Land Kanaan. Dort war es üblich, Vorhersagen durch Ekstase und das Beobachten von Tiereingeweiden zu machen. Auch Mesopotamien ist nicht der Ursprung für die biblischen Propheten. Die Zukunft dort wurde durch die Beobachtung von bestimmten tierischen und menschlichen Körperbewegungen vorausgesagt. Oder man schaute sich Fehlgeburten an oder wie sich Öl auf dem Wasser verteilte oder aufsteigender Rauch aus dem Weihrauchfass. Die Konstellation der Sterne wurde ebenfalls zur Vorhersage benutzt. Es gab also auch in der Umwelt des alten Israel Propheten. Aber die Forderung der alttestamentlichen Propheten nach ethischer Verantwortung, moralisch einwandfreiem Leben, nach theologisch reiner Lehre und das Stellen des Volkes und seiner Herrscher in die Gegenwart Gottes war der Umwelt total fremd. Die Propheten aus der Umwelt des alten Israel unterstützten meistens den König in seiner Meinung. Die Götter waren immer auf der Seite des Königs. So sicherten die Propheten ihr Einkommen. Sie mahnten auch die Herrscher, aber das war riskant für ihren Dienst. Sie verstanden sich als Botschafter ihrer Götter, sprachen über ethische und soziale Themen, aber man konnte sie nie anhand eines Schriftstückes überprüfen, in dem ihre Botschaft schriftlich niedergelegt wurde. Mit den biblischen Propheten konnte man es tun. Sie schrieben einen beträchtlichen Teil ihrer Aussagen nieder und diese Aussagen konnten mit der Botschaft anderer Propheten verglichen werden.


Der Ursprung der prophetischen Botschaft



Die Botschaft der alttestamentlichen Propheten wurde von ihrer Gotteserfahrung bestimmt. Diese Gotteserfahrung war eine Worterfahrung. Deshalb leiteten sie ihre Verkündigung immer wieder mit dem Wort ein: "So spricht der Herr." Alles im Leben des Volkes, aber auch wirklich alles, wurde immer wieder in Beziehung zu Gott gebracht: Die Politik, das gesellschaftliche Verhalten im Volk, die Religion, das geistliche Leben, das Verhältnis zu den Fremdlingen. Alles wurde in Beziehung zu Gott gebracht. Besonders deutlich wird das im Propheten Jesaja: "Denn der Tag des HERRN Zebaoth wird kommen über alles Hoffärtige und Hohe und über alles Erhabene, dass es erniedrigt werde: über alle hohen und erhabenen Zedern auf dem Libanon und über alle Eichen in Baschan, über alle hohen Berge und über alle erhabenen Hügel, über alle hohen Türme und über alle festen Mauern, über alle Schiffe im Meer und über alle kostbaren Boote, dass sich beugen muss alle Hoffart der Menschen und sich demütigen müssen, die stolze Männer sind, und der HERR allein hoch sei an jenem Tage" (Jesaja 2, 12 - 17). Gott wird als Herr der Geschichte verkündigt. Er ist es, der Könige ein- und absetzt.
Bei Hesekiel endet fast jede Botschaft an das Volk mit dem Satz: "Sie sollen erkennen, dass ich der Herr bin" (Hesekiel 11,12; 12, 15 - 16). Der Herr ist der Herr der Geschichte. Das Volk soll in und an den geschichtlichen Ereignissen, erkennen, dass Gott der Herr ist.
In der Botschaft der Propheten ging es immer um eine Begegnung der Zuhörer mit Gott. Deshalb sagt der Prophet Amos: "Darum will ich`s weiter so mit dir machen, Israel! Weil ich`s denn weiter so mit dir machen will, so bereite dich, Israel, und begegne deinem Gott!" (Amos 4, 12). Aber Israel wollte nach seinen eigenen Vorstellungen leben.


Propheten - Botschafter Gottes



Es ist die Eigenart eines Botschafters, dass er nicht über den redet, der ihn sendet, sondern dass er das weitersagt, was ihm aufgetragen worden ist. Deshalb beantworten die Propheten auch nicht die Frage: Was wäre, wenn? Sie spekulieren nicht über ihren Auftraggeber oder ihren Auftrag. Sie vertreten wohl die Partei ihres Gottes, aber sie sind keine Parteifunktionäre oder Politiker. Sie entwickelten keine politischen, sozialen oder religiösen Programme. Das finden wir alles in der Bibel nicht. Die Bibel ist kein staatspolitisches, sozialrechtliches, wirtschaftliches oder gar religiöses Buch (im Vergleich mit anderen Religionen), auch wenn es manche immer wieder meinen.
Die Propheten sprachen konkrete Zustände und Missstände im Volk an, die im Widerspruch zu den Ordnungen und Gesetzen Gottes, zum Willen Gottes, standen. Aber hier ist etwas ganz bezeichnend. Die Propheten riefen nicht zur Umkehr zum Kult oder zum Tempel. Sie riefen immer zur Umkehr zu Gott auf. Es ging ihnen nicht darum, eine "volle Kirche" zu haben, sondern darum, dass der Einzelne sich im Lichte Gottes sah und sein Leben vor dem heiligen Gott gestaltete.
Es ist erstaunlich, dass die Propheten nicht in jeder und für jede Situation ein Gotteswort parat hatten. Als Beispiel sei Jeremia genannt, der dem falschen Propheten Hananja gegenüberstand: "In demselben Jahr, im Anfang der Herrschaft Zedekias, des Königs von Juda, im fünften Monat des vierten Jahrs, sprach Hananja, der Sohn Asurs, ein Prophet von Gibeon, zu mir im Hause des HERRN in Gegenwart der Priester und des ganzen Volks: So spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels: Ich habe das Joch des Königs von Babel zerbrochen, und ehe zwei Jahre um sind, will ich alle Geräte des Hauses des HERRN, die Nebukadnezar, der König von Babel, von diesem Ort weggenommen und nach Babel geführt hat, wieder an diesen Ort bringen; auch Jechonja, den Sohn Jojakims, den König von Juda, samt allen Weggeführten aus Juda, die nach Babel gekommen sind, will ich wieder an diesen Ort bringen, spricht der HERR, denn ich will das Joch des Königs von Babel zerbrechen. Da sprach der Prophet Jeremia zu dem Propheten Hananja in Gegenwart der Priester und des ganzen Volks, die im Hause des HERRN standen, und sagte: Amen! Der HERR tue so; der HERR bestätige dein Wort, das du geweissagt hast, dass er die Geräte aus dem Hause des HERRN von Babel wiederbringe an diesen Ort und alle Weggeführten. Doch höre dies Wort, das ich vor deinen Ohren rede und vor den Ohren des ganzen Volks: Die Propheten, die vor mir und vor dir gewesen sind von alters her, die haben gegen viele Länder und große Königreiche geweissagt von Krieg, von Unheil und Pest. Wenn aber ein Prophet von Heil weissagt - ob ihn der HERR wahrhaftig gesandt hat, wird man daran erkennen, dass sein Wort erfüllt wird. Da nahm der Prophet Hananja das Joch vom Nacken des Propheten Jeremia und zerbrach es. Und Hananja sprach in Gegenwart des ganzen Volks: So spricht der HERR: Ebenso will ich zerbrechen das Joch Nebukadnezars, des Königs von Babel, ehe zwei Jahre um sind, und es vom Nacken aller Völker nehmen. Und der Prophet Jeremia ging seines Weges" (Jeremia 28, 1 - 11).
Jeremia ließ den Propheten Hananja mit seiner Botschaft allein. Kein Wort, kein Widerspruch. Er ließ ihn einfach stehen und ging weg. Manchmal hatten die Propheten auch zu warten, bis sie Gottes Wort erhielten (Jeremia 42, 7). Wenn Gott nicht sprach, dann hatte auch der Prophet nichts zu sagen.


Wahre und falsche Propheten



Es gibt drei Prüfsteine, die wahre und falsche Propheten unterscheiden:
Der erste Prüfstein: Das Leben des Propheten muss mit dem übereinstimmen, was er im Auftrage Gottes verkündigt. Er kann nicht etwas sagen und mit seinem Leben nicht dahinter stehen.
Spurgeon, der bekannte englische Prediger, berichtete am Endes des 19. Jahrhunderts über einen sehr begabten Pastor und sagte: "Wenn der auf der Kanzel ist, möchte ich, dass er nie heruntersteigt. Er spricht so brillant. Aber wenn er von der Kanzel unten ist, dann möchte ich, dass er nie draufsteigt. Denn sein Leben ist so furchtbar."
Bei den Propheten der Bibel hatte ihr Leben mit der von ihnen verkündigten Botschaft übereinzustimmen.
"Und ich sprach: Höret doch, ihr Häupter im Hause Jakob und ihr Herren im Hause Israel! Ihr solltet die sein, die das Recht kennen. Aber ihr hasset das Gute und liebet das Arge; ihr schindet ihnen die Haut ab und das Fleisch von ihren Knochen und fresset das Fleisch meines Volks. Und wenn ihr ihnen die Haut abgezogen habt, zerbrecht ihr ihnen auch die Knochen; ihr zerlegt es wie in einen Topf und wie Fleisch in einem Kessel. Darum, wenn ihr nun zum HERRN schreit, wird er euch nicht erhören, sondern wird sein Angesicht vor euch verbergen zur selben Zeit, wie ihr mit eurem bösen Treiben verdient habt. So spricht der HERR wider die Propheten, die mein Volk verführen, die da predigen, es werde gut gehen, wenn man ihnen zu fressen gibt; wer ihnen aber nichts ins Maul gibt, dem predigen sie, es werde ein Krieg kommen: »Darum soll euch die Nacht ohne Gesichte sein und die Finsternis ohne Wahrsagung.« Die Sonne soll über den Propheten untergehen und der Tag über ihnen finster werden. Und die Seher sollen zuschanden und die Wahrsager zu Spott werden; sie müssen alle ihren Bart verhüllen, weil kein Gotteswort da sein wird. Ich aber bin voll Kraft, voll Geist des HERRN, voll Recht und Stärke, dass ich Jakob seine Übertretung und Israel seine Sünde anzeigen kann" (Micha 3, 1 - 8).
"Auch bei den Propheten zu Samaria sah ich Anstößiges, dass sie weissagten im Namen des Baal und mein Volk Israel verführten; aber bei den Propheten zu Jerusalem sehe ich Greuel, wie sie ehebrechen und mit Lügen umgehen und die Boshaften stärken, auf dass sich ja niemand bekehre von seiner Bosheit. Sie sind alle vor mir gleichwie Sodom und die Bürger Jerusalems wie Gomorra" (Jeremia 23, 13 - 14).
Wenn unser Leben nicht übereinstimmt mit dem, was wir sagen, will uns auch keiner richtig zuhören.
Zweiter Prüfstein: Der Aufruf, anderen Göttern zu dienen, ist ein Zeichen für einen falschen Propheten, selbst dann, wenn das Vorhergesagte einträfe.
"Alles, was ich euch gebiete, das sollt ihr halten und danach tun. Ihr sollt nichts dazutun und nichts davontun. Wenn ein Prophet oder Träumer unter euch aufsteht und dir ein Zeichen oder Wunder ankündigt und das Zeichen oder Wunder trifft ein, von dem er dir gesagt hat, und er spricht: Lass uns andern Göttern folgen, die ihr nicht kennt, und ihnen dienen, so sollst du nicht gehorchen den Worten eines solchen Propheten oder Träumers; denn der HERR, euer Gott, versucht euch, um zu erfahren, ob ihr ihn von ganzem Herzen und von ganzer Seele liebhabt" (5. Mose 13, 1 - 4).
Dritter Prüfstein: Die Erfüllung der Weissagung oder Vorhersage.
Wenn das, was der Prophet vorhersagte, nicht eintraf, sollte er gesteinigt werden. Wie sollte das aber geschehen, wenn das Vorhergesagte vielleicht erst 250 Jahre später eingetroffen war? Wann sollte dieser Prophet dann gesteinigt werden? Wie kann dann dieses Kriterium ein Prüfstein für falsche oder wahre Prophetie sein?
Wir lesen in 5. Mose 18, 21 - 22: "Wenn du aber in deinem Herzen sagen würdest: Wie kann ich merken, welches Wort der HERR nicht geredet hat? - wenn der Prophet redet in dem Namen des HERRN und es wird nichts daraus und es tritt nicht ein, dann ist das ein Wort, das der HERR nicht geredet hat. Der Prophet hat`s aus Vermessenheit geredet; darum scheue dich nicht vor ihm."
Alle deutschen Übersetzungen lauten in etwa so, wie Luther es übersetzte: "und es wird nichts daraus und es tritt nicht ein." Aber es sollte laut dem hebräischen Text anders lauten, nämlich: "und das Wort wird nicht sein" oder "und das Wort ist nicht, existiert nicht."
Das bedeutet, dass das, was der Prophet sagte, mit dem übereinstimmen muss, was Gott bereits vor der Zeit des Propheten gesagt hatte. Es durfte nicht in Widerspruch zur bereits gegebenen Offenbarung stehen. Und weil Moses als der Prophet schlechthin galt, musste alles, was der Prophet sagte, mit den fünf Büchern Moses übereinstimmen. Deshalb haben wir auch in den Prophetenbüchern so viele Anspielungen an die fünf Bücher Moses. Zum Weiteren muss es auch mit der Botschaft anderer wahrer Propheten übereinstimmen.
Die prophetische Botschaft beinhaltet nicht nur zukünftige Ereignisse, wie den Messias oder den Tag des Herrn, sondern auch Personen und Ereignisse, die von unserer heutigen Zeit aus gesehen längst Vergangenheit sind. So zum Beispiel die Geburt des Messias. Für die damaligen Menschen jedoch war diese Weissagung weit entfernte Zukunft. Paulus spricht deshalb auch davon, dass Christus in der Mitte der Zeit kam, nicht am Anfang oder Ende der Zeit.


Botschaft der falschen Propheten



Die falschen Propheten waren zur Zeit des Alten Testamentes sehr zahlreich vorhanden und einflussreich. Sie repräsentierten die Religion des Volkes. Sie waren für das volkstümliche Bedürfnis nach Religion verantwortlich und wurden dafür bezahlt, häufig vom König selbst. "Und Joschafat sprach zum König von Israel: Frage doch zuerst nach dem Wort des HERRN! Da versammelte der König von Israel Propheten, etwa vierhundert Mann, und sprach zu ihnen: Soll ich gegen Ramot in Gilead in den Kampf ziehen, oder soll ich`s lassen? Sie sprachen: Zieh hinauf! Der Herr wird`s in die Hand des Königs geben. Joscha-fat aber sprach: Ist hier kein Prophet des HERRN mehr, dass wir durch ihn den Herrn befragen? Der König von Israel sprach zu Joschafat: Es ist noch einer hier, Micha, der Sohn Jimlas, durch den man den HERRN befragen kann. Aber ich bin ihm gram; denn er weissagt mir nichts Gutes, sondern nur Böses. Joschafat sprach: Der König rede so nicht!" (1. Könige 22, 5 - 8). "So spricht der HERR wider die Propheten, die mein Volk verführen, die da predigen, es werde gut gehen, wenn man ihnen zu fressen gibt; wer ihnen aber nichts ins Maul gibt, dem predigen sie, es werde ein Krieg kommen" (Micha 3, 5).
Ob es nicht heute in Deutschland auch so ist? Wenn sie dem Volk nach dem Mund reden, werden sie kommen. Reden sie aber davon, dass der Mensch Sünder ist und Vergebung braucht, da sonst das Gericht Gottes droht, dann kommt kaum einer.
Die falschen Propheten verkündigten, was die Menschen hören wollten. "Wenn ich ein Irrgeist wäre und ein Lügenprediger und predigte, wie sie saufen und schwelgen sollen - das wäre ein Prediger für dies Volk!" (Micha 2, 11). So lesen wir auch im Neuen Testament: "Denn es wird eine Zeit kommen, da sie die heilsame Lehre nicht ertragen werden; sondern nach ihren eigenen Gelüsten werden sie sich selbst Lehrer aufladen, nach denen ihnen die Ohren jucken" (2. Timotheus 4, 3). Die Botschaft der falschen Propheten richtete sich nach der religiösen Nachfrage. Sie predigten Frieden, obwohl es keinen Frieden gab: "Denn sie sind ein ungehorsames Volk und verlogene Söhne, die nicht hören wollen die Weisung des HERRN, sondern sagen zu den Sehern: »Ihr sollt nicht sehen!« und zu den Schauern: »Was wahr ist, sollt ihr uns nicht schauen! Redet zu uns, was angenehm ist; schauet, was das Herz begehrt! Weicht ab vom Wege, geht aus der rechten Bahn! Lasst uns doch in Ruhe mit dem Heiligen Israels!" (Jesaja 30, 9 - 11).
Diese Botschaft ist auch für unsere Zeit hoch aktuell. Die Botschaft der falschen Propheten stand im Widerspruch zur Offenbarung Gottes. Sie mussten sie übertünchen mit Lüge, um sie als wahr erscheinen zu lassen. Und deshalb mussten sie auch der Botschaft der wahren Propheten widersprechen. Sie versuchten, die wahren Propheten mundtot zu machen, ja umzubringen. "Als aber die Priester, Propheten und alles Volk Jeremia hörten, dass er solche Worte redete im Hause des HERRN, und Jeremia nun alles gesagt hatte, was ihm der HERR befohlen hatte, allem Volk zu sagen, ergriffen ihn die Priester, Propheten und das ganze Volk und sprachen: Du musst sterben! Warum weissagst du im Namen des HERRN: »Es wird diesem Hause gehen wie Silo, und diese Stadt soll so wüst werden, dass niemand mehr darin wohnt«? Und das ganze Volk sammelte sich im Hause des HERRN wider Jeremia. Als das die Oberen von Juda hörten, gingen sie aus des Königs Hause hinauf ins Haus des HERRN und setzten sich zum Gericht vor das neue Tor am Hause des HERRN. Und die Priester und Propheten sprachen vor den Oberen und allem Volk: Dieser Mann ist des Todes schuldig; denn er hat geweissagt gegen diese Stadt, wie ihr mit eigenen Ohren gehört habt" (Jeremia 26, 7 - 11).
Wenn man heute vom Gericht Gottes redet, bekommt man zu hören, dass das eine Anmaßung sei, denn Gott ist Liebe.
Weil die falschen Propheten kein Wort vom Herrn hatten, redeten sie ihre eigenen Träume und Vorstellungen. "Die Oberen in seiner Mitte sind wie reißende Wölfe, Blut zu vergießen und Menschen umzubringen um ihrer Habgier willen. Und seine Propheten streichen ihnen mit Tünche darüber, haben Truggesichte und wahrsagen ihnen Lügen; sie sagen: »So spricht Gott der HERR«, wo doch der HERR gar nicht geredet hat" (Hesekiel 22, 27 - 28). Im Alten Testament sind falsche Propheten eine Lüge, eine Täuschung.


Botschaft der wahren Propheten



Die Botschaft der wahren Propheten stand in Einklang mit Moses. Sie sprachen die Wahrheit auch dort aus, wo es auch für sie selber persönliche Nachteile hatte. Manchmal kostet es etwas, die Wahrheit zu sagen und zu leben. Aber lasst uns zur Wahrheit stehen! Die wahren Propheten forderten das Volk auf, allein Gott zu dienen. Denn Götzendienst war die Verachtung der Herrschaft Gottes über die von ihm geschaffene Welt.
"Mit wem wollt ihr denn Gott vergleichen? Oder was für ein Abbild wollt ihr von ihm machen? Der Meister gießt ein Bild, und der Goldschmied vergoldet`s und macht silberne Ketten daran. Wer aber zu arm ist für eine solche Gabe, der wählt ein Holz, das nicht fault, und sucht einen klugen Meister dazu, ein Bild zu fertigen, das nicht wackelt. Wisst ihr denn nicht? Hört ihr denn nicht? Ist`s euch nicht von Anfang an verkündigt? Habt ihr`s nicht gelernt von Anbeginn der Erde? Er thront über dem Kreis der Erde, und die darauf wohnen, sind wie Heuschrecken; er spannt den Himmel aus wie einen Schleier und breitet ihn aus wie ein Zelt, in dem man wohnt; er gibt die Fürsten preis, dass sie nichts sind, und die Richter auf Erden macht er zunichte: Kaum sind sie gepflanzt, kaum sind sie gesät, kaum hat ihr Stamm eine Wurzel in der Erde, da lässt er einen Wind unter sie wehen, dass sie verdorren, und ein Wirbelsturm führt sie weg wie Spreu. Mit wem wollt ihr mich also vergleichen, dem ich gleich sei? spricht der Heilige. Hebet eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt. Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem HERRN verborgen und mein Recht geht vor meinem Gott vorüber«? Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. Männer werden müde und matt, und Jünglinge straucheln und fallen; aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden" (Jesaja 40, 18 - 31).
Das große Thema des 1. Kapitels der Bibel ist: Gott der Schöpfer. Er, der alles geschaffen hat, kann auch in meinem Leben eingreifen und neue Umstände schaffen. Wenn er etwas spricht, dann geschieht es. Götzendienst war die Verachtung der Herrschaft Gottes über die von ihm geschaffene Welt. Sexuelle Perversion war das Ergebnis. "Und Israel lagerte in Schittim. Da fing das Volk an zu huren mit den Töchtern der Moabiter; die luden das Volk zu den Opfern ihrer Götter. Und das Volk aß und betete ihre Götter an. Und Israel hängte sich an den Baal-Peor. Da entbrannte des HERRN Zorn über Israel" (4. Mose 25, 1 - 3). Götzendienst vernichtet die Sicherheit der Familienzelle, die vom Schöpfer verordneten sexuellen Prinzipien. Er vernichtet Recht und Gerechtigkeit und damit wirkliche Rechtsprechung.
Die wahren Propheten sagten dem Volk, dass nicht nur religiöse Überzeugungen und das bloße Führwahrhalten des Wortes Gottes echtes geistliches Leben hervorbringt. Es geht letztlich darum, dass das Wort Gottes in uns wirkt und echtes geistliches Leben hervorbringt. Und das geschieht nur im Gehorsam gegen Gottes Wort und im Leben vor ihm.
Die wahren Propheten waren aber nicht nur Mahner und Gerichtsverkündiger. Sie sollten das Volk auch ermutigen, nur ihrem Gott zu vertrauen, nicht in ihre eigene Klugheit oder eigene Stärke, auch nicht der politischen und militärischen Stärke der Weltmächte der damaligen Zeit.
"Weh denen, die hinabziehen nach Ägypten um Hilfe und sich verlassen auf Rosse und hoffen auf Wagen, weil ihrer viele sind, und auf Gespanne, weil sie sehr stark sind! Aber sie halten sich nicht zum Heiligen Israels und fragen nichts nach dem HERRN" (Jesaja 31, 1).


Zusammenfassung



Die Propheten im Alten Israel wirkten störend in der israelitischen Gesellschaft.
Für die Patrioten in Israel waren sie schädlich. Denn sie sagten die Zerstörung des Tempels und Jerusalems voraus sowie die Wegführung aus dem verheißenen Land. Für die religiösen Führer waren die Propheten Lästerer, denn sie verkündigten den Priestern Gericht und kritisierten die allgemeine Religionsausübung. Für die politischen Eliten waren sie Aufrührer. Denn sie bemängelten das Leben und den Führungsstil der Regierenden.
Aber sie wollten doch nur das Gericht Gottes vom Volk abwenden. Sie wollten das Volk verschonen.
Und auch wir wollen mit der Botschaft sagen, dass der Mensch Sünder ist und Gottes Vergebung braucht, die Menschen vor dem Gericht Gottes bewahren, das mit Sicherheit kommen wird. Nimmt der Mensch Gottes Botschaft von der Versöhnung durch den Kreuzestod Jesu nicht für sich persönlich in Anspruch, dann geht er in das Verderben, in die ewige Verdammnis.
Die Botschaft der Propheten kann zusammengefasst werden in den Worten der Propheten selbst: Jesaja 7, 18 - Alle Weltmächte müssen nach der Pfeife Gottes tanzen: "Zu der Zeit wird der HERR herbeipfeifen die Fliege am Ende der Ströme Ägyptens und die Biene im Lande Assur, dass sie kommen und sich alle niederlassen in den tiefen Tälern und in den Steinklüften und in allen Hecken und an jeder Tränke."
Amos 5, 4 - 6 - Suchet den Herrn, so werdet ihr leben: "Denn so spricht der HERR zum Hause Israel: Suchet mich, so werdet ihr leben. Suchet nicht Bethel und kommt nicht nach Gilgal und geht nicht nach Beerscheba; denn Gilgal wird gefangen weggeführt werden, und Bethel wird zunichte werden. Suchet den HERRN, so werdet ihr leben, dass er nicht daherfahre über das Haus Josef wie ein verzehrendes Feuer, das niemand löschen kann zu Bethel."
Hosea 2, 8 - 9 - Kehrt zurück zu dem Mann der ersten Liebe, zum einzigen Herrn: "Darum siehe, ich will ihr den Weg mit Dornen versperren und eine Mauer ziehen, dass sie ihren Pfad nicht finden soll. Und wenn sie ihren Liebhabern nachläuft und sie nicht einholen kann, und wenn sie nach ihnen sucht und sie nicht finden kann, so wird sie sagen: Ich will wieder zu meinem früheren Mann gehen; denn damals ging es mir besser als jetzt."
Im Wort der Propheten begegnen wir dem lebendigen Gott. In Jesus von Nazareth begegnen wir diesem Gott erneut. Und deshalb ist es wichtig, dass wir täglich eine Begegnung mit diesem Jesus von Nazareth haben, der für die Welt eine Torheit ist, für uns aber die Kraft Gottes, von der wir leben.

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